"Vorhang auf" für die 5. Theatertage der Beruflichen Oberschulen in Bayern!

"Vorhang auf" für die 5. Theatertage der Beruflichen Oberschulen in Bayern!

Nach Coburg, Fürth, Nürnberg und Rosenheim fanden die 5. Theatertage der Beruflichen Oberschulen in Bayern erstmals in der Oberpfalz statt. Am Beruflichen Schulzentrum in Amberg trafen sich am Freitag, den 31. März und Samstag, den 1. April 2017 zwölf Schultheatergruppen - überwiegend aus dem Norden Bayerns. Außerdem nahmen Theaterlehrer aus Nürnberg, Fürth, Rosenheim, Würzburg und München ohne ihre Gruppen an der Veranstaltung teil. Die Ensembles gaben 20-minütige Auszüge ihrer aktuellen Produktionen zum Besten, die anschließend jeweils in einer Lehrer- und einer Schülergruppe – moderiert durch erfahrene Theaterlehrer – besprochen wurden.

Die ehemalige Turnhalle des BSZAM, deren Wände mit bordeauxfarbenem Bühnenmolton verkleidet und dezent beleuchtet waren, strahlte mit ihrer schwarzen Guckkastenbühne und professioneller Beleuchtung echte Theater-Atmosphäre aus. Gleich zu Beginn präsentierte dort die interkulturelle Gruppe des BSZAM - unter der Leitung von Kerstin Klug - ein mit Musik untermaltes, sehr emotionales Schattentheater, das großen Anklang bei den über 200 Gästen fand.

In der Eröffnungsrede hob Martin Wurdack, der Schulleiter des BSZAM, das „voneinander Lernen und Weiterentwickeln“ beim Theaterspielen hervor. Oberbürgermeister Michael Cerny, der die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte, betonte den Wert des Festivals: „Am schönsten und wertvollsten werden sicherlich die Begegnungen und der Informationsaustausch sein.“ Währenddessen bezeichnete der Ministerialbeauftragte für die Beruflichen Oberschulen in Ostbayern, Klaus Vietze, die Theatergruppen an den Beruflichen Oberschulen als „besonders anerkennenswert“ und stellte fest, dass aufgrund der extremen Unterrichtsbelastung in den zwei Jahren Schulzeit „man schon ziemlich verrückt sein muss, wenn man als Schüler am Freitagnachmittag auch noch Theater spielt.“ Theaterverrückt eben.

Die Gastgeber, die FOS/BOS Amberg, begannen das Festival mit ihrer Adaption „Faust – der Tragödie neuester Streich“, einer temporeichen und witzigen Inszenierung der bekannten Vorlage. Die Schauspieler glänzten durch ihr ambitioniertes Spiel und talentiertes Handwerk.

Die Theatergruppe der Max-Grundig-Schule Fürth gab Schillers „Maria Stuart“ zum Besten. England gegen Schottland. Sehr aktuell. Und sehr eindringlich. Die Nationen prallten hart aufeinander. Die fein verwobenen Schicksale der Protagonisten kamen trotzdem zart zur Geltung.

Eine Eigenproduktion mit dem Titel „Hustle for Love“ präsentierte die Schulspielgruppe der FOS/BOS Regensburg. Die über 30 Schüler nahmen sich das soziale Leben an der Schule vor. Sehr authentisch und modern wurden Themen wie Sex, Gewalt, Drogen und Erpressung auf die Bühne gebracht.

Auch die BOS Nürnberg lieferte an diesem Freitagnachmittag eine Eigenproduktion ab. Erarbeitet wurde eine Szenenfolge, die sich mit verschiedenen Aspekten und Problematiken des „Zusammenlebens“ auseinandersetzt. Die Gruppe besteht aus Schülern der Vorklasse, der 12. und 13. Klasse sowie aus Schülern der Berufsintegrationsklasse und konnte so prächtig aus ihrer eigenen Erfahrungswelt schöpfen.

Klassischem Stoff widmete sich die Theatergruppe der Regiomontanus-Schule Coburg mit „Orpheus und Eurydike“. Der griechische Mythos vom trauernden Orpheus, der seine verstorbene Gattin aus der Totenwelt zurückholen will, wurde dabei von einem bunten Strauß an Gedichtausschnitten quer durch die Jahrhunderte treffsicher bereichert.

Den fulminanten Schlusspunkt des Freitags setzte die Wilhelm-Löhe-Schule Nürnberg. Die Musicalgruppe rockte in ihrer Eigenproduktion „Löhe Live“ mit einfühlsamen Gesangs-Duetten, mächtigen Choreinlagen und stilechter Live-Band die Turnhalle und ließen so den Namensgeber ihrer Schule noch einmal quicklebendig werden.

Der Abend klang in kommunikativer und kreativer Stimmung aus. Die Amberger Band „Volker Und Die Folgsamen“ sorgte in der Turnhalle mit Hits der Neuen Deutschen Welle für Tanz und gute Laune. Andere genossen den lauen Frühlingsabend mit spontanen Musik-Sessions im Freien, während sich manche Teilnehmer in der Aula ruhigeren Gesellschaftsspielen hingaben. So war für jeden etwas dabei und man munkelt, die Nacht wäre bei so manchem Schüler etwas kürzer ausgefallen.

Am nächsten Tag eröffnete die FOS/BOS Straubing mit der Fantasy-Komödie „Die sanfte Guillotine“. Die farbenfrohe Inszenierung beförderte die bekannten Protagonisten der Märchenwelt in die Jetztzeit und würzte die Geschichten gekonnt mit aktuellen Bezügen.

„Shakespeare fasziniert Schüler wie Lehrer“ war im Programmheft zu lesen und diese Begeisterung konnte man auch auf der Bühne spüren, als die Theatergruppe der Städtischen BOS Regensburg ihre Eigenproduktion „Hamlet und eine Prise Macbeth“ mit Elan zum Besten gaben.

Nach der Kaffeepause wurde das Festival erstmals durch ein Improvisationstheater ergänzt. Die Gruppen traten nach nur 60 Minuten Vorbereitungszeit mit kurzen Szenen zum Thema Verkehrte Welt an. Die so entstandenen Sequenzen waren ebenso interessant, vielfältig und kurzweilig wie die spontanen Ansagen, die von zwei Amberger Schauspielern übernommen wurden.

Nach der Mittagspause nahm sich die Friedrich-Fischer-Schule Schweinfurth mit „Limbo“ eine Komödie vor, die sich den ernsten Themen Isolation, Einsamkeit und Selbsttäuschung nährte. Ein Spagat, den die Gruppe mit Bravour vollbrachte.

Es folgte die tragikomische Geschichte der Prinzessin „Turandot“, die ihre Hand nur dem verspricht, der drei schwierige Rätsel zu lösen vermag. Die Schulspielgruppe der FOS/BOS Aschaffenburg setzte das Märchen gekonnt und kurzweilig in Szene.

„Nur über deine Leiche“ drohte die Theatergruppe der BO Bayreuth und zelebrierte ausgiebig John Schöllgens mörderischen Abzählreim. Das Publikum belohnte die spannende Inszenierung mit langem Applaus.

Zum Abschluss des Festivals präsentierte die Theatergruppe Spieltriebe der FOS/BOS Schwandorf „Struwwelpeter reloaded“. Die Vorlage aus dem Jahr 1845 wurde mit gewohnt ausdrucksstarken Bildern und präzisem Spiel gründlich entstaubt und mit aktuellen und witzigen Bezügen wirkungsvoll abgeschmeckt.

Den Schlussakkord der 5. Theatertage der beruflichen Oberschulen in Bayern setzte wiederum die interkulturelle Gruppe des BSZAM. Ihre Fortführung des Schattentheaters startete die Gruppe mit einer Trommeleinlage, die sich über einen sehr berührenden Solo-Gesang zu einem gemeinschaftlichen Tanz entwickelte, der hinter der Schattenwand begann, dann in den Zuschauerraum getragen wurde und schließlich das halbe Publikum zum Mittanzen anregte. Ab 18.00 Uhr traten die Gäste aus ganz Bayern die Rückreise an und die 5. Theatertage waren Geschichte.

Ermöglicht wurde die Ausrichtung des Festivals erst durch die Unterstützung der Schulleitung des BSZAM, die u.a. die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, durch die helfenden Hände mehrerer Kolleginnen und Kollegen, durch das engagierte Mitwirken der Klasse BWS11, durch die erstklassige Verpflegung unserer Schulkantine, den Jura-Werkstätten e.V. sowie durch die finanzielle Unterstützung der Stadt Amberg, des Elternbeirats, der SMV und der Brauerei Bruckmüller aus Amberg. Vielen Dank!

Die 6. Theatertage der Beruflichen Oberschulen in Bayern finden dann im kommenden Frühjahr 2018 in Schwandorf - unter der Regie von Cosima Wittenzellner - statt.

Burkhart Häusler

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