Wenn die Freiheit fehlt - Vom Alltag hinter Gittern

Wenn die Freiheit fehlt - Vom Alltag hinter Gittern

Die Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Amberg blicken im Rahmen der Fachpraktischen Ausbildung hinter die dicken Mauern der Justizvollzugsanstalt Amberg.

Die Kulisse gleicht einem Krimi im Fernsehen, aber für viele Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, prägt dieser Ort oft für lange Jahre ihren Alltag.

Den meisten von uns bleibt der Blick hinter die dicken Mauern des Gefängnisses – zum Glück - verwehrt. Aber wie sieht der Alltag eines Gefangenen wirklich aus und wie fühlt es sich an, in einem karg ausgestatteten und trist wirkenden Haftraum gemeinsam mit anderen Insassen leben zu müssen?

Begleitet von einem überaus sympathischen Justizvollzugsbeamten und Herrn Holheimer, einem der zwei Anstaltslehrer, wagten die Schülerinnen und Schüler einen Gang über das streng bewachte und umfangreich gesicherte Areal. Beim Besuch der Stationen konnten sie zumindest erahnen, wie es sich anfühlen muss, fremdbestimmt, von der Umwelt abgeschirmt und ohne ein Recht auf Privatsphäre leben zu müssen. Die bedrückende Atmosphäre und das Gefühl der Enge begleitete uns während des gesamten Aufenthaltes.

Über 500 Strafgefangene sind derzeit in der JVA untergebracht. Hierfür stehen 339 Einzelhafträume und 250 Gemeinschaftshafträume zur Verfügung. Ein Tisch plus Stuhl, ein einfaches Bett, ein Fernseher, ein Waschbecken und eine Toilette gehören zur Grundausstattung eines Haftraumes. Der Blick aus dem Fenster geht auf den Innenhof der Anstalt.

Der Alltag läuft in geregelten Bahnen, der Tag beginnt früh. Gern nehmen die Strafgefangenen Arbeit an, um der Langeweile auf dem Haftraum zu entfliehen und sich ein Taschengeld für Besorgungen im anstaltseigenen Laden zu verdienen. Zudem wird den Insassen eine Ausbildung in unterschiedlichen Lehrberufen, u.a. Bäcker, Metzger oder Maurer ermöglicht, um den Häftlingen, nach Verbüßung ihrer Freiheitsstrafe, den Start in die Freiheit zu erleichtern.

Die verbleibende Zeit des Tages dürfen die Gefangenen, je nach Wünschen und Bedürfnissen nutzen, um sich sportlich oder kreativ zu betätigen. Zudem steht den Insassen ein umfangreiches Angebot an Behandlungen (z.B. Anti-Gewalt-Training) und die Betreuung durch ein fachlich kompetentes Team (z.B. Krisenintervention bei Suizidgefahr) zur Verfügung.

Unsere Führung endete nach zwei Stunden in der Anstaltskirche der JVA. Hier erhielten die Schülerinnen und Schüler noch einmal die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Informationen zu interessanten Karrieremöglichkeiten für FOS-Schüler in der Justizvollzug - sei es als Beamter im allgemeinen Vollzugsdienst, als Jurist, Psychologe oder Sozialpädagoge - rundeten den Anstaltsbesuch ab.

Wieder außerhalb der Gefängnismauern, genossen die Schülerinnen und Schüler als erstes die Freiheit mit ihren - auf dem Gelände der JVA streng verbotenen - Handys zu kommunizieren.

Herzlichen Dank noch einmal an Herrn Holheimer für die hochinteressante und eindrucksvolle Führung!

Annette Heinritz

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