Einblicke hinter verschlossene Türen

Einblicke hinter verschlossene Türen

Auch in diesem Schuljahr besuchten Schülerinnen und Schüler des Sozialzweigs der FOSBOS Amberg im Rahmen der Fachpraktischen Ausbildung die Justizvollzugsanstalt Amberg. Zu Beginn des Besuchs erhielten die Schülerinnen und Schüler der Klasse FS11b grundlegende Informationen über die JVA Amberg sowie über den Strafvollzug in Bayern. So verfügt die JVA Amberg über insgesamt 519 Haftplätze für Männer und nimmt – neben der JVA Straubing – vor allem schwere Straftäter auf, die in der Regel nicht erstmals straffällig geworden sind. Bayernweit gibt es 36 Justizvollzugsanstalten mit insgesamt über 11.500 Haftplätzen. Dabei wurde deutlich, dass der Strafvollzug nicht nur dem Schutz der Gesellschaft dient, sondern auch das Ziel verfolgt, die Gefangenen zu resozialisieren und auf ein Leben nach der Haft vorzubereiten.

Im Anschluss wurde die Klasse von einer Sozialpädagogin durch verschiedene Gebäudeteile geführt. Sie arbeitet überwiegend in einem besonderen Bereich der Anstalt, einem Haus mit 32 Plätzen, in dem Sexual‑ und Gewaltstraftäter intensiv therapeutisch betreut werden. In diesem Bereich liegt ein großer Schwerpunkt auf Gesprächen, Therapie sowie der Förderung sozialer Kompetenzen, um Rückfälle zu verhindern und neue Perspektiven zu eröffnen.

Während der Führung berichtete die Sozialpädagogin anschaulich von ihrem Berufsalltag und ihren vielfältigen Aufgaben. Dazu gehören Einzelgespräche zur Aufarbeitung der Taten, therapeutische Maßnahmen, die Unterstützung bei persönlichen und sozialen Problemen sowie die Vorbereitung auf die Zeit nach der Haft. Für die Schülerinnen und Schüler des Sozialzweiges war es besonders eindrucksvoll zu erfahren, wie wichtig Vertrauen, Geduld und Einfühlungsvermögen in der Arbeit mit Inhaftierten sind. Nur durch diese Faktoren können die Grundlagen für ein „neues Leben“ nach der Haft geschaffen werden. Gleichzeitig wurde deutlich, wie verantwortungsvoll, aber auch sinnstiftend diese Tätigkeit ist.

Darüber hinaus durfte die Klasse verschiedene Hafträume besichtigen und erhielt so einen realistischen Einblick in den Alltag der Gefangenen. Auch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche innerhalb der JVA, etwa die Schlosserei, wurden vorgestellt. Arbeit ist für die Inhaftierten verpflichtend, sofern sie dazu in der Lage sind, und wird entsprechend vergütet. Zudem besteht die Möglichkeit, in einem von zehn Arbeitsbereichen eine Ausbildung zu absolvieren. Die Arbeit dient dabei nicht nur dem Gelderwerb, sondern vor allem der Tagesstruktur und dem Sammeln von Arbeitserfahrungen.

Innerhalb der JVA gibt es außerdem eine Kirche, die den Gefangenen zur religiösen und seelischen Unterstützung zur Verfügung steht. Religiöse Feste wie Weihnachten oder Ostern können hier gefeiert werden, was zeigt, dass neben Sicherheit und Ordnung auch soziale und menschliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen.

Der Besuch der JVA Amberg war für die Klasse sehr interessant, lehrreich und beeindruckend. Besonders die Einblicke in die Arbeit der Sozialpädagogin verdeutlichten, wie bedeutend sozialpädagogische Betreuung im Strafvollzug ist und wie intensiv daran gearbeitet wird, den Inhaftierten neue Chancen für ihre Zukunft zu eröffnen.

Emma Wiesinger, FS11b

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