Hinweise für Tutoren
Liebe Tutorinnen, liebe Tutoren!
An dieser Stelle möchte ich ein paar Worte an unsere neuen Tutoren richten. Es sind wichtige Vorschläge, die Sie nicht einfach links liegen lassen sollten.Wenn Sie gerade als Tutor anfangen, mögen Sie all die Ratschläge zwar als ein bisschen verwirrend und schwer zu merken empfinden. Viele von diesen Hinweisen werden aber erst zum Leben erwachen, nachdem Sie Ihre Mitschüler getroffen und ein paar Stunden abgehalten haben.Daher schlage ich vor, dass Sie diesen Leitfaden jetzt schnell mal sich anzuschaun und später wieder darauf zurückkommen. Ihre Aufgabe ist hierbei im Grunde, Ihren eigenen natürlichen Unterrichtsstil zu entwickeln, wobei Sie Vorschläge auswählen und übernehmen können, die Ihrer eigenen Persönlichkeit entsprechen. Folgen Sie aber nicht Ratschlägen, bei denen Sie sich unbehaglich fühlen.
Die Glaswand: Interaktion ermutigen
Problem Nr. 1 im Unterrichten von Übungen ist die "Glaswand": Sie als Tutor auf der einen Seite tun einen passablen Job im Erklären, Reden und Schreiben, aber wichtig ist, dass sie auch mit Ihrem Gegenüber kommunizieren.Beginnen wir mit einem Negativbeispiel: "Wenn er reinkommt, sind wir gewöhnlich schon da. Es folgt eine peinliche Stille, wie auf einer Party, wenn niemandem etwas zu sagen einfällt. Dann beginnt er, an einem Problem vom gerade durchgenommene Stoff zu arbeiten. Er spricht in gleichbleibend kühler Weise mit der Tafel. Wir können ihn hören, aber wir können nicht sagen, was wichtig ist und was nicht. Einem der Schritte kann ich nicht folgen, aber ich fürchte mich, irgend etwas zu sagen. Andauernd sagt er "O.K.?", aber es hat keinerlei Bedeutung, und er stoppt nicht.Nach einer Weile verstehen wir eigentlich nicht mehr viel und fragen uns, warum wir da überhaupt 'rumsitzen. Er kennt den Stoff ganz gut, aber es ist, als wenn er irgendwo da vorne steht und sich eine Glaswand zwischen uns befindet."Eine Übungsgruppe ohne Interaktion - welches Problem kann grundlegender sein? Ohne die Ungezwungenheit der Kommunikation werden Sie nur geringen Erfolg haben. Die Stille ist schlecht für alle. Sie macht es schwer, die Schwierigkeiten zu kennen, die Ihre Mitschüler haben. Diese brauchen eine Gelegenheit zum Reden, sich auszudrücken, ihr eigenes Denken zu klären, ihre Schwierigkeiten miteinander zu teilen, miteinander an den Problemen zu arbeiten. Das ist es, worum es in Tutorstunden geht.
Die Glaswand einreißen
Wirkliche Kommunikation mit Ihren Mitschülern zu erreichen, ist nicht immer einfach. Denken Sie an all die Situationen im gewöhnlichen Leben, wo zwei Menschen gemeinsame Kommunikation als schwierig empfinden. Sie werden etwas Taktgefühl und Geschicklichkeit benötigen. Hier sind ein paar Vorschläge: Bringen Sie ihr Gegenüber zum Denken: Stellen Sie Fragen! Ihre Mitschüler sind gerade eingetroffen und sitzen am Tisch, denken über die Probleme des Lebens nach, über den Unterricht von dem sie gerade kommen, oder vielleicht auch über gar nichts.
"Gibt's Fragen?"
Fragen? Die Teilnehmer des Tutoriums können sich vielleicht nicht einmal erinnern, was das aktuelle Thema im Unterricht ist. Sie blättern in Ihren Unterlagen, aber es ist schwer, ohne Aufwärmphase loszulegen.Ihre erste Aufgabe ist es, ihre geistigen Kräfte zu aktivieren. Stellen Sie einige einfache Fragen zur Wiederholung (sehr einfache, wenn Sie den Verdacht haben, dass sie weit hinterher sind) oder stellen Sie eine Aufgabe und bringen Sie die Teilnehmer dazu, sich ein bisschen den Kopf darüber zu zerbrechen.
Gruppendruck
Falls die Situation noch immer einen zähen Eindruck macht - Sie stellen gute Fragen, aber bekommen nur nervöse Blicke zurück -, dann haben Ihre Mitschüler wahrscheinlich Angst, etwas zu sagen, das sie vor den anderen leicht unterbelichtet aussehen lassen könnte. Manchmal werden Sie Schüler sehen, die stumm eine Antwort mit den Lippen formen, sich diese jedoch nicht laut auszusprechen trauen.Vielleicht haben Sie sich selbst schon im Unterricht so gefühlt. Wenn ja, so werden Sie zustimmen, dass sich mit diesem Problem nur schwer umgehen lässt. Die endgültige Lösung muss für Sie sein, gut miteinander klar zu kommen, aber dies wird nicht ohne weiteres geschehen.In der Zwischenzeit können Sie mit unterstützenden Bemerkungen viel ausrichten: "Das ist eine gute Frage, Sylvia" oder "Ich wette, andere von Ihnen haben sich hierüber auch schon den Kopf zerbrochen". Solche Formulierungen werden viel dazu beitragen, Ängste zu mindern und die anderen davon zu überzeugen, dass sie sich nicht zu fürchten brauchen, etwas zu sagen.Ach, wie viele Tutoren reagieren statt dessen mit "Haben wir das nicht schon letztes Mal in allen Einzelheiten abgehandelt?"."Ist er der einzige, der dieses Problem nicht lösen kann?". Damit entmutigen sie potentielle Fragesteller.
Die Zeitverzögerung
Mitschüler scheinen der Zeit immer hinterher zu rennen. Wenn Sie Übungsaufgaben für zu Hause stellen, werden viele erst am Abend vor dem neuen Treffen mit Ihnen anfangen, sich diese anzuschauen. Vorher werden sich nur wenig an das erinnern, was im letzten Tutorial abgelaufen ist. Kein Wunder, dass sie schweigen.Sie können mit dem Problem folgendermaßen umgehen: Es ignorieren, es akzeptieren, oder es be-kämpfen. Wenn Sie es ignorieren, indem Sie so tun, als wären alle auf dem Laufenden, werden Sie feststellen, dass Sie selbst derjenige sind, der die meisten Probleme auswählt und am meisten redet, während sich die Teilnahme der Übungsgruppe gerade mal auf die wenigen Mitschüler erstreckt, die vorbereitet sind.Wenn Sie die Situation akzeptieren, fühlen Sie sich wahrscheinlich verpflichtet, ihnen das beizubringen, was sie hätten erarbeiten sollen. Es ist eine schlechte Gewohnheit, die man sich nicht angewöhnen sollte, aber wenn Sie es tun, vermeiden Sie zumindest einen reinen Vortrag – versuchen Sie, interaktiv zu unterrichten, mit Fragen und Aufgabenstellungen, die sie entweder als eine kleine Gruppe oder einzeln bearbeiten können, während Sie auf die Blätter schaun und helfen.Am allerbesten ist es, wenn Sie Ihre Mitschüler dazu bringen, Sie auf die Übungsgruppe vorzubereiten: Einige Tutoren lassen in den Übungen wöchentlich einen sehr einfachen kurzen Test verteilen, den jeder bearbeiten kann, der sich den Stoff der letzten Woche noch mal angeguckt hat. Die Mitschüler können sich gegenseitig die notierten Lösungen korrigieren. Andere Tutoren verkünden in der vorhergehenden Übungsstunde ein paar Probleme, die beim nächsten Mal behandelt werden sollen. Oft kann aber schon eine klare Aussage an Ihre Mitschüler, was Sie von ihnen erwarten und was Ihre Pläne für die nächste Übungsgruppe sind, Wunder bewirken und sie ermutigen, sich vorzubereiten.
Augenkontakt
Gucken Sie Ihre Mitschüler an? Denken Sie daran, wie schwer es ist, gesellig mit jemandem zu reden, der Sie nicht anschaut. Nichts bewirkt schneller das "Glaswand-Gefühl", als einem Lehrer zuzusehen, der seine Erläuterungen an die Tafel, die Wände, die Fenster oder an einen Punkt einen halben Meter über den Köpfen der Mitschüler richtet.
Zuhören
Um zu kommunizieren, müssen Sie auch ein guter Zuhörer sein, denn Mitschüler sagen häufig nicht genau das, was sie sagen wollen. Wenn Sie lediglich eine sorgfältig ausgearbeitete Antwort zu einer ungestellten Frage geben, frustriert dies beide Seiten. Bleiben Sie also flexibel und stellen Sie sich auf die jeweiligen Wissenslücken Ihres Gegenüber ein.
Die "Dampfwalze"
Es ist eine weitverbreitete Erscheinung, dass Tutoren für Ihre Übungen mit Sorgfalt eine große Zahl von Problemen nebst einer umfassenden Wiederholung vorbereiten, dann aber in der Übungsstunde feststellen, dass es insgesamt ein bisschen zu viel ist. Daraufhin schalten sie in einen höheren Gang und bringen es alles als einen schnellen Durchzieher. "Entschuldigen Sie, könnten Sie bitte den letzten Schritt erläutern?""Wenn Sie mich weiterhin mit Fragen unterbrechen, werden wir mit dem Stoff nie fertig werden." Solche Taktiken "behandeln" den Stoff, aber sie ersticken jegliche Kommunikation und die Übungsteilnehmer werden resignieren und sich in Schweigen zurückziehen. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nicht alles behandeln, was Sie vorbereitet haben. Es ist wichtiger, eine entspannte Atmosphäre zu haben. Und vielleicht finden Sie ja später noch eine Gelegenheit, den einen oder anderen jetzt weggelassenen Punkt anzusprechen.
Ihre Stimme
Lassen Sie uns noch weiter auf die allgemeine Atmosphäre in Ihren Stunden eingehen, da sie in sehr starkem Maße die Interaktion bestimmt.Die Art und Weise, wie Sie Dinge sagen, liefert den Mitschülern aufschlussreiche Hinweise. Stellen Sie mal einen Kassettenrecorder auf den Tisch, während Sie reden. Die meisten Leute sind schockiert, wenn sie Aufnahmen von ihrer eigenen Stimme anhören und glauben nicht, was sie zu hören bekommen. Hier habe ich ein paar verbreitete rhetorische Unzulänglichkeiten für Sie zusammen gestellt:
- Lautstärkeabfall bis zur Unhörbarkeit am Ende eines jeden Satzes
-eine
monotone oder Sing-Sang-Stimme, die das Konzentrieren erschwert
- Sätze, die
mit "O.K.?" oder "Klar?" gespickt sind, ohne dass eine Antwort erwartet wird
Dies sollten Sie in jedem Fall vermeiden! Ferner wird Ihre Stimme gegenüber der Übungsgruppe eine unglückliche emotionale Klangfarbe erhalten, wenn Sie häufig mit offensichtlicher Langeweile aufseufzen oder wenn Sie zugrundeliegenden Wut oder Ärger auszudrücken.
Zeit für Feedback
Falls sich trotz Ihrer besten Bemühungen die Interaktion weiterhin nur träge dahinschleppt, versuchen Sie, zehn Minuten am Ende einer Übungsstunde abzuzweigen, sich mit den Mitschülern zusammenzusetzen und sie in allgemeiner Weise zu fragen, was sie von dem Verlauf der Übungen halten. Eine gute Diskussion kann viel dazu beitragen, die Atmosphäre zu bereinigen und auf Probleme hinzuweisen. Vielleicht gibt es da etwas, wovon Sie nichts wissen.
Vorbereitung der Übungsstunde
Selbst "alte Hasen" müssen vor jeder Stunde ein bisschen nachdenken, falls sie nicht riskieren wollen, dass der Übungsverlauf ihnen entgleitet.Als ein Minimum sollten Sie sich die Probleme angeguckt haben zu denen die Mitschüler wahrscheinlich Fragen stellen werden. Stellen Sie sicher, dass Sie diese sowohl lösen als auch erklären können.Sie sollten auch wissen, wie weit der Unterricht vorangekommen ist und darauf vorbereitet sein.
Übungsmaterial
Schauen Sie in das zugrundeliegende Lehrbuch, vielleicht in die dortigen Sammlungen von Übungsaufgaben und in andere Bücher. Fragen Sie andere Tutoren um Rat.
Niveau
Erraten Sie das Niveau erst einmal, sondieren Sie die Lage. Sie benötigen zeitweilig ein Niveau, bei dem jeder ohne Schwierigkeiten folgen kann, zeitweilig ein Niveau, das Ihre Mitschüler einfach ein bisschen herausfordert (also nichts zu Kompliziertes).
Zeitplanung
Es ist nicht einfach, über die Einteilung der Zeit in der Übungsgruppe zu entscheiden. Eine mögliche Vorgehensweise ist:
1. Aufwärmübung
2. Lösen der Probleme vom Übungszettel (falls
Hausaufgabe gestellt wurde)
3. Wiederholung der Ergebnisse des Tutorials der
vergangenen Woche
4. gemeinsames Arbeiten an neuen Problemen
5. ggf.
Stellen kurzer Tests
6. Erzählen von Witzen (warum
nicht?)
...
Erstellen Sie zumindest irgendeine Vorausplanung!
Haben Sie irgendein maßvolles Ziel im Kopf, auf das Sie zusteuern können. Dies wird Ihnen einen inneren Kompass geben, den Ihre Mitschüler spüren und würdigen werden. Haben Sie auch einige Alternativen parat, falls Sie nicht sicher sind, wie viel Zeit Ihre Übung an dem bestimmten Tag benötigt.Keine zwei Übungsstunden sind gleich. Lehrer, die Übungen in Parallelklassen haben, können häufig berichten, dass das Unterrichten in der einen Klasse regelmäßig Freude bereitet, der Unterricht in der anderen hingegen während der ganzen Zeit mehr ans Zähneziehen erinnert. Die Mischung der Schüler, die Uhrzeit, einige subtile Wechselwirkungen zwischen Ihrer Persönlichkeit und ihnen - wer weiß? Denken Sie daran, wenn die Dinge manchmal schwierig verlaufen! Denken Sie auch daran, dass Sie für den Erfolg oder Misserfolg Ihrer Mitschüler nicht alleine und nicht persönlich verantwortlich sind. Tun Sie einfach soviel, wie Sie können.Umgekehrt nutzen Sie die Interaktion mit Ihren Tutor-Kollegen, Schwierigkeiten anzusprechen und Erfahrungen auszutauschen:
- Teilen Sie regelmäßig Ihre Unterrichtserfahrungen mit ihnen.
- Tauschen Sie sich über den Unterrichtsstoff aus.
- Diskutieren Sie miteinander unterschiedliche Erläuterungsmethoden.
- Besuchen Sie sich gegenseitig in den Übungen.
- Sprechen Sie auch mit den Lehrern des jeweiligen Faches darüber.
Sie können auch mit mir Kontakt aufnehmen. Bitte machen Sie davon Gebrauch, wenn sich Schwierigkeiten ergeben sollten.
Didaktik
Es bleibt noch immer das Problem zu lösen, wie man den Lehrstoff klar darstellt und gut erläutert. Hier stoßen wir an die Grenzen dessen, was diese Hinweise leisten können. Allerdings machen selbst manche lang erfahrene Lehrer solche elementaren didaktischen Fehler, dass es lohnend sein mag, unter praktischen Gesichtspunkten ein wenig über diesen Gegenstand zu reden.
Die Sandwich-Methode für allgemeine Prinzipien
Um eine abstrakte Idee zu vermitteln - eine allgemeine Formel, ein allgemeines Gesetz, eine Theorie -, ist es eine gute Vorgehensweise, nacheinander folgende Dinge zu präsentieren:
1. ein leichtes Beispiel, das das Prinzip illustriert,
2. die
allgemeine Formulierung zusammen mit einer Erläuterung des Prinzips
3. sowie
ein schwierigeres Beispiel, das das Prinzip verwendet
Dies entspricht der Art und Weise, wie Leute denken. Es ist viel einfacher, eine abstrakte Idee zu verstehen, wenn Sie diese an einem einfachen Beispiel ausprobieren können. Sobald ihr Gegenüber dann erst einmal das Prinzip verstanden hat, macht es Spaß, dieses auf ein komplizierteres Beispiel anzuwenden, das zuvor zu schwer war, um damit klar zu kommen.
Der Blick aus der Vogelperspektive und der Blick zurück
Oft können Mitschüler einer Erklärung nicht folgen, weil sie nicht sagen können, worauf sie zusteuert, was letztlich das Ziel ist. Sie wissen es, aber sie nicht.Beginnen Sie daher eine komplizierte Erläuterung, indem Sie einen Überblick darüber geben, was Sie zu tun beabsichtigen - über den Zweck, die allgemeine Methode, wie lange es dauern wird, was auch immer. Sobald alles vorbei ist, blicken Sie zurück, betrachten Sie mit ihnen die Strecke, die sie miteinander zurückgelegt haben und beglückwünschen Sie Ihre Mitschüler dazu, dass sie es geschafft haben. Obige Ideen werden Ihnen in Fleisch und Blut übergehen, wenn Sie diese ein paar Mal verwenden. Die Vorbereitung wird mit zunehmender Erfahrung einfacher. Wenn Sie ein neuer Tutor sind, ist es wahrscheinlich besser, am Anfang ein bisschen zu viel vorzubereiten, da es Ihnen helfen wird, gewisse anfängliche Nervosität zu überwinden. Falls Sie selbst den Unterricht besucht haben, werden Sie es wahrscheinlich als Ihre Pflicht ansehen, Schwierigkeiten zu klären, die für die Mitschüler dort auftraten. Tun Sie dies, aber verbringen Sie nicht Ihre gesamte Zeit damit. Untermauern Sie Ihre Darstellungen durch gemeinsames Bearbeiten entsprechender Probleme. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu tun:
Ein Weg ist, jeden Teilnehmer Lösungsideen beitragen zu lassen, während Sie als Schriftführer an der Tafel tätig sind.
Oder Sie können die Teilnehmer einzeln arbeiten lassen und ihnen individuelle Hilfe anbieten. Vielleicht erklärt einer von ihnen den anderen seinen Lösungsweg.
Mit ihnen an ihren Plätzen zu arbeiten, hat den Vorteil, dass die Mitschüler etwas haben, das sie mit nach Hause nehmen können. An der Tafel arbeiten zu lassen, bedeutet, dass sie die Resultate der anderen sehen können. Tun Sie beides.
Versuchen Sie im allgemeinen, die Übungsstunde abwechslungsreich zu gestalten - etwas hiervon, etwas davon. Legen Sie aber den Schwerpunkt auf das, was mit der speziellen Gruppe am besten zu funktionieren scheint. Ermutigen Sie, während der Woche aufgetretene Schwierigkeiten festzuhalten und sie in die Übungsstunde einzubringen. Was einen Mitschüler beunruhigt, ist wahrscheinlich auch für die anderen ein Problem.
In der Übungsgruppe
Ihr persönlicher Fahrplan für die Übungsgruppe:
- Kommen Sie frühzeitig. Es zeigt, dass Sie interessiert und ansprechbar sind.
- Fangen Sie pünktlich an.
- Hören Sie pünktlich auf. Selten wird etwas nach dem Schlussläuten gelernt.
- Hören Sie nur dann vorzeitig auf, falls nicht genug Minuten übrig sind, etwas Neues anzufangen und der Übung die Puste ausgegangen ist. Fangen Sie insbesondere nicht an, noch irgendwelche Fragen zu stellen, um die letzten paar Minuten auszufüllen.
- Bleiben Sie so lange, bis alle gegangen sind. Mitschüler könnten Sie etwas fragen wollen, das sie Sie vor den anderen nicht trauten anzusprechen
Schicksalsschläge
Sie machten irgendwo an der Tafel einen Fehler, können ihn aber nicht
finden.
Sie können eine Frage eines Mitschüler nicht beantworten.
Sie
bleiben beim Übersetzen einer komplizierten Wendung hängen.
Solche Dinge passieren jedem, treffen aber am härtesten unerfahrene Tutoren, die sich zu Beginn häufig unsicher fühlen. Die Hauptsache ist, bloß nicht abwehrend oder feindselig zu werden, und am allerwichtigsten: Fangen Sie nicht an, eine Antwort vorzutäuschen oder einen Sch... zu erzählen. Selbst der schlechteste Schüler wird sich nicht von Ihnen zum Narren halten lassen und Sie könnten Ihren Respekt verlieren.Bitten Sie statt dessen um Hilfe, hoffen Sie, dass Sie diese bekommen und hören Sie auf die Mitschüler, die versuchen, sie Ihnen zu geben - einer von ihnen könnte Recht haben. Oder versprechen Sie die Antwort für die nächste Stunde. Es ist in Ordnung, Fehler zu machen und es ist nicht notwendig, alles zu wissen, aber es ist notwendig, ehrlich zu sein.
"Ich stellte einem Tutor mal eine Frage. Die Antwort lautete in etwa: "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube ohnehin nicht, dass es in der Schulaufgabe drankommt." Ich hätte eine Antwort von der Art erwartet: "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich werde in der nächsten Stunde darauf zurückkommen."
Diverse Probleme
- Soll ich in der Übungsgruppe Distanz wahren oder informell auftreten?
Es gibt viele Wege, zu unterrichten - energisch oder entspannt, mit Schlips und Kragen oder im T-Shirt, als die Autorität auftretend oder als der bescheidene Tutor. Wenn Sie mit Ihrer Einstellung nicht zufrieden sind, werden sich Ihre Mitschüler auch unbehaglich fühlen. Seien Sie einfach Sie selbst.Andererseits macht informelles Auftreten in einer kleinen Übungsgruppe gewöhnlich mehr Spaß. Es ermutigt Interaktion und es ist ein bisschen angenehmer, wenn mal was daneben geht - je höher Sie sich selbst stellen, desto tiefer können Sie fallen. "Mein Tutor schien ein dürftiges Verständnis des Stoffes zu haben und kompensierte dies durch ein sehr autoritäres Auftreten." Ein paar Rollen, die Tutoren versucht sind zu spielen und nicht sollten !!
- Der Mitschülerführer
Es ist verlockend, sich bei Ihrer Übungsgruppe einzuschmeicheln, indem Sie den Teilnehmern erzählen, dass es nicht ihre Schuld sei, dass sie Schwierigkeiten haben, sondern dass sie vielmehr Opfer des Systems, des Lehrers, der Schulleitung, etc. sind. Oder Sie ziehen über das zugrundeliegende Lehrbuch her, die Schule im allgemeinen, über den Lehrplan ...
Natürlich wird jedes Buch und jeder Unterricht gelegentlich unverständlich sein und es ist in Ordnung, sich dazu zu äußern. Aber übertreiben Sie dies nicht, denn es kann einige Ihrer Mitschüler demoralisieren: Warum sich Mühe geben zu kämpfen, wenn die eigenen Karten ohnehin schlecht stehen?
- Der Mann mit den weißen Glacéhandschuhen
"Der Rest dieser Aufgabe ist ja so banal, dass ich ihn sicherlich nicht anzusprechen brauche."
"Hat nicht irgend jemand etwas Interessanteres, das ich Ihnen erklären soll?"
Solche Bemerkungen vermitteln Ihrem Mitschüler, dass Routinetätigkeiten unter Ihrer Würde sind. Mancher wird Ihre Einstellung übernehmen mit später verheerenden Auswirkungen. Die verbreitetsten Klagen von Lehrer ähneln Seufzern wie "Die können ja nicht einmal ein Passiv bilden!"Lassen Sie daher Ihre Mitschüler mittels Ihrer Einstellung wissen, dass Sie solche Dinge für wichtig halten und jeder sie gründlich lernen muss. Schwächere Mitschüler sollten sich insbesondere auf diese Art des Lehrstoffes konzentrieren. Zu entdecken, dass sie etwas gut können, mag sie ermutigen, darüber hinaus zu gehen.
Liebe Tutorin/lieber Tutor!
So, jetzt habe ich Sie überschwemmt mit jeder Menge Information. Es verlangt bestimmt niemand, dass Sie all das für Ihre erste Sitzung beherrschen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!
Bitte nehmen Sie nach einigen Tutorenstunden diese Hinweise wieder zur Hand, vergleichen Sie Ihre Vorgehensweise mit obigen Handreichungen und versuchen Sie, noch enger damit zu arbeiten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg!
A. Kleylein, StD
P.S.Weitere Informationen finden Sie bei Marten Fels mit Hinweisen für studentische Hilfskräfte, UNI Bonn, 1996

